1. Dezember bis 18. April 2021

5 Jahre Avantgarde

Helmut Rywelskis art intermedia, Köln 1967–1972

 

ab 01.12.2020 im ZADIK
14.04. – 18.04.2021 auf der ART COLOGNE

Helmut Rywelski in seiner Galerie am Eröffnungsabend (4.10.1971) der Ausstellung Joseph Beuys: Zeichnungen
und Objekte, Foto: © Franz Fischer, ZADIK A103, X, 5a

 
 

Das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung ZADIK, seit Anfang 2020 wissenschaftliches Institut an der Universität zu Köln, zeigt ab dem 1. Dezember 2020 in seinen Räumlichkeiten im Mediapark 7 und auf der ART COLOGNE 2021 eine Ausstellung zum Kölner Galeristen Helmut Rywelski, der zwischen 1967 und 1972 mit seiner Galerie art intermedia und der Kritik am kommerziellen Kunstbetrieb für Furore sorgte. Nur knappe fünf Jahre hat der Journalist Helmut Rywelski seine Galerie art intermedia in Köln betrieben, aber diese fünf Jahre hatten es in sich. Er vertrat Kunst „in und zwischen allen Medien“ in einer Zeit der dynamischen Medialisierung des öffentlichen Lebens. Insbesondere sozial engagierte, kritische und politische Kunst war sein Thema, und solange er selbst Teil des neuen Kunstmarkts war, bekämpfte er diesen zugleich, bis er nach fünf Jahren in der Erkenntnis der unaufhaltsamen Ökonomisierung des Kunstbetriebes kapitulierte.

Von den zahlreichen Ausstellungen, Editionen und Aktionen bleiben einige Beispiele besonders in Erinnerung. So Kölns berühmtestes Rywelski-Überbleibsel, das Geschichte schrieb: Im Oktober 1969 schuf Wolf Vostell die Aktionsplastik Ruhender Verkehr, bei der sein sechs Jahre alter Opel Kapitän am Straßenrand vor dem Galeriehaus in der Domstraße 81 einbetoniert wurde. Der Bildhauer Ansgar Nierhoff war Rywelskis eigene ‚Entdeckung‘ – über Nierhoff entstand der Kontakt zu dessen Lehrer Joseph Beuys, der damals seine künstlerische Identität erst noch festschrieb. Beuys trug mit mehreren Beiträgen wie der Aktion Vakuum ↔ Masse beträchtlich zum Avantgardestatus der Galerie bei. Nach Beuys war H. P. Alvermann der von Rywelski am meisten favorisierte Künstler. Mit ihm hatte Rywelski ursprünglich die Galerie eröffnen wollen – wenn nicht Alvermanns „Nazischweine“ dazwischengekommen wären. Eigentlich hießen diese zusammen mit Wolfgang Feelisch als Multiples konzipierten und vertriebenen Kunststoffsparschweine, die Alvermann in kritischer Anspielung auf die am 30. Mai 1968 vom Bundestag verabschiedeten „Notstandsgesetze“ in schwarz-rot-gold und über dem Einwurfschlitz mit einem Hakenkreuz übermalt hatte, Deutsche Notstandsschweine. Ihre Bemalung aber ließ den Künstler – obwohl eingeschriebenes Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei – verdächtig erscheinen, strafrechtlich verbotene nationalsozialistische Symbole zu verwenden. Der sich daraus entwickelnde jahrelange Rechtsstreit ist im Archiv der Galerie bestens dokumentiert und im ZADIK nachzulesen. Auch die Dekompositionen der „Schimmel- und Verfallskunst“ Di[e]ter Rot[h]s, mit denen Künstler und Galerist Furore machten, haben noch lange nach der Schließung der Galerie als Bestandteil der Kunstsammlung Rywelskis ihre Wirkung entfalten und nur durch einen entschiedenen Entwesungseingriff gestoppt werden können, als man sie nach Rywelskis Tod (1998) in seiner Wohnung und Keller gefunden hatte. Dort im Keller war auch das Archiv, aus dessen wertvollem Fundus die kommende Ausstellung und die mit über dreihundert Seiten umfangreichste Ausgabe der ZADIK-Reihe sediment geschöpft werden konnten, mit denen das ZADIK, angesichts seines Überganges an die Universität zu Köln und der Übergabe des Direktorats von Günter Herzog an Nadine Oberste-Hetbleck, ein Highlight setzt.

Die Ausstellung sowie die Publikation 5 Jahre Avantgarde: Helmut Rywelskis art intermedia, Köln 1967–1972 basieren auf den Beständen des Archivs von Helmut Rywelski, das sich seit 2017 im ZADIK befindet.

Über das ZADIK

Das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung ZADIK ist ein wissenschaftliches Institut der Universität zu Köln und konzentriert sich auf die Archivierung, kritisch-reflektierende Erforschung und Vermittlung der Historie, Strukturen und Entwicklungen internationaler Kunstsysteme. Sein Bestand umfasst heute über 170 Archive von Galerist*innen, Kunsthändler*innen, Kunstkritiker*innen, Kurator*innen, Fachfotograf*innen und weiteren Akteur*innen des Kunstmarkts. Das ZADIK wurde 1992 vom Bundesverband deutscher Galerien (BVDG) als weltweit erstes Spezialarchiv zur Geschichte des Kunsthandels gegründet und 2020 an die Philosophische Fakultät der Universität zu Köln überführt.